BERLIN | bis 23. Januar 2021 | "Voll das Leben!" von Harald Hauswald

Deutschland • Berlin • Vom: 1. Januar 2020 • Bis: 23. Januar 2021

Rauhe, extravagant gekleidete Punks, Hippies und küssende Paare in einem Meer von Trabi-Autos, konfrontative Banner und Demonstranten am Alexanderplatz in Ostberlin, schattenhafte Gestalten und Betrunkene auf Festivals und in Kneipen, gesetzestreue Bürger, die geduldig an Haltestellen warten: Harald Hauswalds Blick ist authentisch und zart.

Seine Bilder strahlen Sympathie für die Objekte und Menschen aus, die er fotografiert, bewahren ihre Würde und heben sie vom umgebenden Wahnsinn und Verfall ab.

Der Fotograf zeigt die Monotonie und Langsamkeit des Lebens in Ostdeutschland und zeugt von einer inselartigen und isolierten Welt kurz vor ihrem Untergang.

Im Gegensatz zu den im Westen vorherrschenden Bildern der DDR als Land, das vom sozialistischen Staat und der Freien Deutschen Jugendorganisation, von der Berliner Mauer und Stacheldraht, von Märschen und Militärparaden definiert wird, bieten Hauswalds Fotografien einen einzigartigen und aufschlussreichen Einblick in den sozialistischen Alltag zeigt das sich entwickelnde Stadtbild Ostberlins und die Aktivitäten von Oppositionsgruppen, Künstlern und Jugend-Subkulturen.

Harald Hauswald (* 1954 in Radebeul, Sachsen) ist einer der bedeutendsten ostdeutschen Fotografen.

Krankhaft und anarchisch: Hauswalds Fotografie aus seinem Heimatbezirk Prenzlauer Berg in Berlin, 1985.

Die Tatsache, dass sich Hauswald selbst in diesen Kreisen bewegte, stellte sicher, dass er auf seinen Fotografien immer präsent war, denn er war ein Teilnehmer und nicht nur ein Beobachter.

Auf seinen weitreichenden Reisen durch Ostberlin und zu dunklen Orten in Ostdeutschland in den 1970er und 80er Jahren legte er den Kontrast zwischen dem Alltagsleben in heruntergekommenen Städten und der inneren Leere offen, die sich hinter der mühsam konstruierten Fassade des kommunistischen Staates verbirgt.

Seine Schwarz-Weiß-Fotografien wechseln zwischen einer verzauberten, verspielten Intimität und einem scharf satirischen, leidenschaftslosen Blick.

Achtundzwanzig Tage, zwei Monate und sechsundzwanzig Tage lang teilte die als Berliner Mauer bekannte „antifaschistische Schutzbarriere“ die Stadt und ihre Bewohner in Ost und West.

Diese Ausstellung dokumentiert das soziale und politische Leben der Menschen in Ostdeutschland und zeigt die Herausforderungen auf, die sich beim Übergang in ein wiedervereinigtes Deutschland ergeben.

Hauswald ist als Mitbegründer der Fotografenagentur OSTKREUZ eine der wichtigsten deutschen Figuren in der Geschichte der Fotografie. Seine Werke sind von unschätzbarem Wert und bilden eine visuelle Aufzeichnung der Geschichte eines geteilten Deutschlands.

Fotografie aus der neuen Ausstellung und dem dazugehörigen Bildband von Harald Hauswald: in den 1980er Jahren auf der U-Bahn-Linie A in Ostberlin.

Nicht nur Prenzlauer Berg: 1984 schießen zwei Teenager, Radebeul, Sachsen, mit einem Luftgewehr an der Elbe.

Der Ostkreuzer Verein für Fotografie setzt sich dafür ein, dass bis Ende 7,500 über 2020 seiner Filmrollen erhalten bleiben.

6,000 Einzelbilder werden im Rahmen eines von der Bundesstiftung für das Studium der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland geförderten Großprojekts digitalisiert.

Diese Show ist Harald Hauswalds erste Retrospektive. Es zeigt ungefähr 250 Fotografien, die zwischen Ende der 1970er und Mitte der 1990er Jahre aufgenommen wurden, darunter eine große Anzahl bisher unveröffentlichter Bilder. Seine Bilder stehen im Dialog mit dem Inhalt der Akte, die die ostdeutsche Geheimpolizei Stasi über ihn geführt hat.

Kein anderer ostdeutscher Fotograf wurde so genau überwacht wie er. Der Inhalt der Datei wurde zwischen 1977 und 1989 von rund vierzig Informanten (oder „inoffiziellen Mitarbeitern“) unter dem Codenamen „Radfahrer“ (Radfahrer) beigesteuert.

1985 erließ die Stasi einen internen Haftbefehl gegen Hauswald wegen staatsfeindlicher Aktivitäten, der Verletzung von Devisenkontrollbestimmungen, der Vertretung und der Weitergabe nicht klassifizierter Informationen.

Hauswald war alleinerziehend und zeitweise wurde seine Tochter aus seiner Haft entlassen. Diese Ausstellung ist die erste, die Verweise auf Zeitgeschichte, Fotografie und Arbeit gegenüberstellt.

Eines der bekanntesten Bilder von Hauswald ist die "Fahnenflucht" vom 1. Mai 1987, als eine Demonstration am Alexanderplatz von Stürmen und Regen zerrissen wird.

Und dann war alles vorbei: Volkspolizist bei einem Durchbruch der Berliner Mauer, 1989, fotografiert von Harald Hauswald.

Die Ausstellung wird von Felix Hoffmann (C / O Berlin) in Zusammenarbeit mit Ute Mahler und Laura Benz (Ostkreuz) kuratiert.

Ein Katalog im Steidl Verlag begleitet die Ausstellung.

C / O Berlin

Amerika Haus

Hardenbergstraße 22-24

10623 Berlin<br><br>

Deutschland


 

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